200 Jahre ostfriesische Geschichte

Im frühen 19. Jahrhundert errichtete die wohlhabende Familie Kankena insgesamt sieben Gulfhöfe an der Nordseeküste. Einer davon war der Hof im Westerburer Polder, erbaut im Jahre 1806. Zur ursprünglichen Bebauung gehörte schon damals das heute noch erhaltene Kochhaus. Über 80 Jahre lang wurde der Hof von der Erbauuerfamilie betrieben, welche die Anlage um 1860 durch eine 700qm große Nebenscheune ergänzte.

1890 verließen die Kankenas den Hof und verpachteten an die Familie Deterts. Der Gulfhof war Wohn- und Arbeitsstätte für viele Generationen, bis Junggeselle Karl Deterts 2003 altersbedingt den Hof verlassen musste. Es folgten zwei weitere Pächter, aber unter ihnen verfiel der in die Jahre gekommene Hof in den darauffolgenden Jahren rasendschnell zur Ruine. 2012 konnte der Hof schließlich von uns erworben werden.

Plötzlich war der ganze Hof von Wasser umgeben

Es ist der 13. Februar 1962. Von Grönland her kommend braut sich ein Sturmtief zusammen, welches die gesamte Schiffahrt auf der Nordsee lahm legt und die Nordseeküste mit einer schweren Sturmflut bedroht. Das Nachthochwasser am Westerburer Polder fällt 3-3,5m höher als normal aus, sodass es schon gegen Abend bis zur Hälfte des Deiches steht. Ab 20 Uhr schwappt das Wasser dann über den Deich und man bringt sich auf dem Nachbarhof in Sicherheit. Eine aufregende Nacht steht bevor. Der Deich hält, doch durch die vielen defekten Stellen, läuft der Polder bis auf einen Meter hoch voll Wasser. Der damals 22-jährige Sohn Karl Deterts der Pächterfamilie erinnert sich: “Das Wasser stand uns bis zu den Knien. Der Wind drückte uns zur einen Seite, das Wasser zur anderen. Wäre der Deich gebrochen, wir wären in den Fluten jämmerlich ertrunken.” Doch der Sturm ließ nach und man sah das ganze Ausmaß der Katastrophe.

Der hintere Teil des Hofes wurde stark getroffen. Hunderte Dachziegel wurden weggeweht, der Giebel der Scheune musste neu aufgemauert werden. Das gesamte Vieh musste auf Nachbarhöfen in Sicherheit gebracht werden und konnte erst Tage später wieder zurückgebracht werden. Das viele Salzwasser hatte die Gräben und Felder versalzen, sodass kein Trinkwasser für die Tiere da war. “Als das Wasser zurückging, entdeckten wir unzählige verendete Regenwürmer. Schuld war das Salzwasser. Auch der Boden war tot. Es dauerte Jahre, bis er wieder genutzt werden konnte. Durch das Salz der Nordsee hatte sich auch das Grünland verändert. Selbst die Kühe litten unter Stoffwechselstörungen. Nach der nächsten Einsaat mussten wir 1100 Zentner Gips streuen. Das waren die Folgen von einer Nacht.”

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Von der Ruine zum Schmuckstück

Nachdem 2011 der letzte Pächter den Hof verlassen hat verfiel der Hof rasendschnell zur Ruine. Ein Jahr später könnten wir den Hof erwerben und nachdem die Planungs- und Genehmigungsphase nochmals 3 Jahre in Anspruch genommen hat, konnte im Juli 2015 mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden. Die Nebenscheune konnte nicht mehr gerettet werden und musste leider abgetragen werden. Die Substanz des Hauptgebäudes war jedoch besser als zunächst vermutet.

Bei der Sanierung wurde großen Wert auf den Erhalt des Charakters des alten Gemäuers gelegt.

So wurden die Fensteröffnungen auf das ursprüngliche Format zurückgebaut, die Fugen ausgeschnitten und mit zeitgenössischem Muschelkalk neu verfugt, die Blockrahmenfenster wurden einem auf dem Dachboden gefundenen Schiebeelement nachempfunden und sämtliche Mauerarbeiten mit aus Innenwänden gewonnenen Backsteinen ausgeführt.

Nach turbulenter 12-monatiger Bauphase mit viel Regen und teils erwarteten, teils unerwarteten Herausforderungen wurde aus der Ruine ein Schmuckstück, direkt am Deich in einmaliger Lage. Die Vermietung startete im Sommer 2016.

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